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1.
EINLEITUNG
Comics,
Erzählungen, die aus einer Folge von meist gerahmten Zeichnungen
(englisch strips, deutsch: Streifen) mit kommentierenden Texten
oder Kurzdialogen im Bild bestehen.
Comics
erscheinen in gedruckter Form als Hefte oder Bände, in Magazinen,
Zeitungen (oft in separaten Rubriken) und auch in Büchern. Die
Sequenzen eines Comics reichen von einer einzigen, meist waagerechten
Zeile in einer Tageszeitung bis zu komplexeren Zusammenstellungen von
gezeichneten Kästen, die über mehrere Seiten gehen. Der Begriff Comics
leitet sich zwar von den ursprünglich komischen Inhalten ab, heute
umfasst das Genre aber auch Abenteuer-, Kriminal-, historische und
Sciencefiction-Stoffe.
2. DIE
URSPRÜNGE DER COMICS
Die
Geschichte des Mediums steht mit der Entwicklung der Drucktechnik, der
Cartoon-Kunst und der Karikatur in Verbindung. In England verwendete
bereits Francis Barlow um 1682 auf seinen Propaganda-Blättern The
Horrid Hellish Popish Plot häufig Spruchbänder – als Vorläufer
der heutigen Sprechblasen. 1732 wurden soziale Ungerechtigkeiten und
Laster satirisch in A Harlot’s Progress von William Hogarth
kommentiert, das aus mehreren zusammengehörenden, kunstvollen
Radierungen bestand, die nacheinander wie eine Geschichte gelesen und
studiert werden konnten.
1827 begann
Rodolphe Töpffer, ein Lehrer aus Genf, inspiriert durch Hogarths
Drucke, seine eigenen Romane in Bildern zu schreiben und zu zeichnen;
zuerst in privatem Rahmen für seine Schüler und Freunde, aber ab 1833
veröffentlichte er sie ermutigt durch Goethes Lob. Töpffer war auch
der erste Theoretiker des neuen Mediums (Essay on physiognomi,
1845).
Der
bedeutendste Erbe Töpffers war Wilhelm Busch. Wie viele andere
europäische Künstler arbeitete er für die neuen humoristischen
Zeitschriften der damaligen Zeit. Die Texte, die oft in Versform
abgefasst waren, waren maschinengeschrieben und standen unter den
Zeichnungen. Sein kühner, bewegter Stil und seine visuellen Metaphern
wurden oft imitiert.
3.
COMICSTRIPS IN ZEITUNGEN
In den
neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts sahen sich in den USA die
humoristischen und Cartoon-Wochenmagazine wie Puck, Judge und Life
mit einer neuen Konkurrenz konfrontiert, den großstädtischen
Zeitungen. Die Spitzen-Cartoonisten dieser Magazine wurden für die
neuen farbigen Cartoons in den Sonntagsbeilagen der Zeitungen
angeworben. Berühmt-berüchtigt für den Konkurrenzkampf um die
Anwerbung von talentierten Zeichnern in New York waren Joseph Pulitzers World
und William Randolph Hearsts Journal.
1895 führte Richard Felton Outcault einen
kahlköpfigen Bengel mit abstehenden Ohren in seine Abenteuer aus dem
Alltag detailliert gezeichneter Mietskasernen ein, die er regelmäßig
in World veröffentlichte. Bereits Anfang 1896 war der Bengel im
gelben Hemd, The Yellow Kid, zum Mittelpunkt der Serie geworden
und wandte sich in irischem Slang, der auf sein Hemd gekritzelt war, an
seine Leser. Hearst „entführte" die populäre Figur in sein Journal,
indem er Outcault ein höheres Gehalt bot. Pulitzer erhöhte den
Einsatz, aber Hearst zog mit. Pulitzer ging vor Gericht, konnte aber nur
das Recht erstreiten, den Streifen mit einem anderen Zeichner
fortzuführen, während Outcault seine Figur für Hearst zeichnen
durfte. Heute wird die Regenbogenpresse der Pressemagnaten,
aufgrund der Auseinandersetzungen um The Yellow Kid im
anglophonen Raum abwertend als yellow press bezeichnet.
Als Nächstes beauftragte Hearst den in
Deutschland geborenen Rudolph Dirks damit, eine Comicversion von Wilhelm
Buschs Bildergeschichte Max und Moritz unter dem Namen The
Katzenjammer Kids zu gestalten (1897). Es folgte eine
Experimentierphase, in der sich neue Kastengestaltungen und die
Verwendung von Sprechblasen in den Sonntagscomics etablieren konnten.
Das Amerika der Jahrhundertwende bot das geeignete
Umfeld für die Entwicklung der Comics zu einem kommerziellen und
künstlerischen Phänomen. Die ständig wachsende Bevölkerung suchte
preiswerte Unterhaltung und neue identitätsstiftende Legenden oder
benutzte Comics als Englischkurs für Erwachsene und Kinder. Die
bekanntesten Comics dieser Zeit sind Little Nemo (1905) von
W. McCay und Lionel Feiningers Kinder-Kids (1906).
Comicstrips brachten zusätzliche Einnahmen durch ihre Vermarktung als
Spielzeug, durch Zeichentrickfilme und Radiosendungen, sowie durch die
Vergabe von Verkaufslizenzen.
Bud Fishers Mr. A. Mutt,
der Pferdewetten abschloss, und der später zu Mutt and Jeff
wurde, erschien seit 1907 täglich auf der Sportseite des San
Francisco Chronicle. Sein sensationeller Erfolg führte dazu, dass
täglich erscheinende Streifen mit aktuellen und humorvollen Themen für
Erwachsene bald in fast allen amerikanischen Tageszeitungen erschienen,
so Seifenopern wie Roy Cranes Wash Tubbs, Harold Grays Little
Orphan Annie, E. C. Segars Thimble Theatre, in dem Popeye
zum ersten Mal auftauchte, und viele andere, darunter auch die ersten Mickey
Mouse - Geschichten (1930). Hieraus entwickelten sich die
Abenteuerhelden wie der Detektiv Dick Tracy von Chester Gould
(1931; 1990 von Warren Beatty verfilmt) und der Weltraummann Buck
Rogers (1929). In Europa schuf der Belgier Hergé den Klassiker Tintin
(Tim und Struppi). Im Bestreben nach mehr Realismus in den
Abenteuer-Streifen wich in den dreißiger Jahren der Karikatur-Stil dem
plastischeren Stil von Alex Raymonds Flash Gordon (1934) und
Milton Caniffs Terry and the Pirates.
In den
fünfziger Jahren wurden Serien-Abenteuerstreifen gekürzt oder ganz
gestrichen, komische Streifen zu gezeichneten Witzen für einen Tag
umgewandelt. Charles Schultz’ Peanuts entstanden in dieser
Zeit. Obwohl Anzahl und Qualität zurückgingen, können auch heutige
Serien wie Bill Wattersons Calvin and Hobbes immer noch breite
Leserschaften begeistern.
4.
COMICHEFTE
Erste
Comichefte entstanden 1933, als diese als Zugabe zu bestimmten Produkten
verschenkt wurden. Die Comics in Zeitungen waren Gratisbeilagen gewesen,
aber 1934 zeigte der Band Famous Funnies 1, dass die Leser
bereit waren, die Nachdrucke ihrer Lieblingscomics käuflich zu
erwerben.
Nachdem sie fünf Jahre erfolglos geblieben waren,
verkauften der Texter Jerry Siegel und der Zeichner Joe Shuster endlich
ihren Helden Superman als Titelbild des neuen Heftes Action
Comics, das zum ersten Mal 1938 erschien. Seine Popularität führte
ein Jahr später zu The Batman von Bob Kane und Bill Finger,
gefolgt von einer ganzen Propaganda-Armee von Figuren, die mit
übermenschlichen Kräften ausgestattet waren und für Amerika gegen
Deutschland und Japan kämpften.
Nach dem Ende des Krieges kamen die „Superhelden"
allmählich aus der Mode und andere Comicthemen traten an ihre Stelle:
lustige Tiergeschichten, die auf Zeichentrickfilmen basierten, und
umgearbeitete Fassungen von Filmen und literarischen Klassikern,
Western, Dschungelabenteuern, Kriminal- und Liebesgeschichten, des
Weiteren Kriegs- und Horrorerzählungen sowie die zwischen satirischer
Qualität und bodenloser Albernheit changierenden Strips der später
auch in Deutschland erhältlichen Zeitschrift Mad.
Nach einer Phase der Zensur in den fünfziger
Jahren (vor allem in den USA), in der viele Verleger ihre Arbeit
einstellen mussten, kam es in den sechziger Jahren zu einer Renaissance
der Superheldencomics. In den Marvel-Comics erfanden der Texter
Stan Lee und die Zeichner Jack Kirby und Steve Ditko ein ganzes
miteinander verbundenes Universum von tragischen Helden wie The
Fantastic Four und Spider-Man, denen ihre Kräfte nur
Schwierigkeiten bereiteten. In Europa erfreuten sich neben übersetzten
amerikanischen Heften auch eigene Produktionen immer größerer
Beliebtheit. In Deutschland gelang es Rolf Kauka, Fix und Foxi
zum ernst zu nehmenden Konkurrenten für Disneys Branchenführer Mickey
Mouse werden zu lassen. Französische und belgische Hefte wie Asterix
von Goscinny und Uderzo, Lucky Luke von Morris oder Spirou und
Fantasio von André Franquin erfreuen sich mit ihrem zum Teil
anspruchsvollen Witz seit den siebziger Jahren auch in Deutschland
großer Beliebtheit bei Kindern und Erwachsenen.
In den sechziger Jahren entstanden in den USA
gegen das Establishment gerichtete Underground-Comics für
Erwachsene, die das Medium nicht nur durch gezielten Tabubruch von alten
Zwängen befreiten, sondern auch durch ihren psychedelischen Stil (wie
bei Gilbert Shelton) eine neue Bildersprache entwickelten. Vor allem die
heftig mit Sex und Drogen experimentierenden, anarchistisch angehauchten
Figuren von Robert Crumb (Fritz the Cat, Mr. Natural) wurden auch
in Deutschland populär. Mit Art Spiegelmans Maus, dem bewegenden
Bericht darüber, wie sein Vater den Holocaust überlebt hatte, entstand
in den achtziger Jahren ein herausragendes Beispiel dafür, wie auch
ernste Themen adäquat in Comicform umgesetzt werden können. Daneben
entstanden immer wieder mehr oder weniger ernst zu nehmende Versuche,
auch weltanschauliche oder Bildungsinhalte in Comicform zu bringen (Die
Bibel, Karl Marx’ Kapital).
Zu den wichtigen neueren Trends gehören seit 1977
die satirische Sciencefiction in 2000AD, die den futuristischen Judge
Dredd einführte, sowie der heiter-vulgäre „Erwachsenen"-Comic
Viz.
Wichtige deutsche Künstler der letzten Jahre sind
der selbstkritisch-humorvoll aus dem linksalternativen Milieu
berichtende Gerhard Seyfried, Walter Moers mit seiner derb-witzigen
Figur Das kleine Arschloch, der die Homosexuellen-Szene liebevoll
karikierende Ralf König sowie der realistisch-expressive Michael
Schultheiss. Der bereits verstorbene Jean Luc Reiser, bekannt für
seinen bösartigen Humor, und der Sciencefiction-Zeichner Moebius sind
die wichtigsten französischen Autoren der letzten Jahre. Die
italienischen Künstler Milo Manara und Eleuteri Serpieri haben sich mit
Erotikcomics einen Namen gemacht. Richard Corben und Todd MacFarlane in
den USA sowie Jamie Hewlett und Simon Bisley in England sind mit ihren
Sciencefiction- und Fantasy-Abenteuern die bekanntesten Vertreter aus
dem anglophonen Sprachraum. In Japan, wo Comics ein fester Bestandteil
der Alltagskultur sind, erreichen die so genannten Mangas mit ihren
gelegentlich drastischen Darstellungen von Sex und Gewalt gigantische
Auflagen. Comics als neues, faszinierendes Massenmedium haben
Pop-Art-Künstler wie Roy Lichtenstein und Andy Warhol in den sechziger
und siebziger Jahren ebenso beeinflusst wie später Filmregisseure wie
Lars von Trier und Terry Gilliam oder Jeunot/Caro. Einst vor allem in
Deutschland als Schund und Ursache für Bildungsnotstand und partielles
Analphabetentum gebrandmarkt, haben sich Comics heute als ernst zu
nehmendes Medium in allen Bereichen, wie etwa auch Werbung und
Bildungsvermittlung etabliert.
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